„Berlin muss seinen Schatz bewahren“ – Rückblick auf den kulturpolitischen Salon

Veröffentlicht am: 19. November 2025

Bühnenansicht mit den Impulsgebern.

Am Dienstagabend, dem 18. November 2025, hat das Berlin-Forum zu einem kulturpolitischen Salon unter dem Titel „Blick auf Berlin: Ein Jahr nach dem Totalcrash – Berlins Kultur im Wandel“ in das Radialsystem eingeladen. Die Veranstaltung rückte die Frage in den Mittelpunkt, wie sich Berlins Kulturlandschaft ein Jahr nach dem „Totalcrash“ neu aufstellt und welche Rolle Kunst und freie Szene für die demokratische Gesellschaft spielen.

Facettenreich moderiert wurde der Abend von Elena Philipp, Kulturjournalistin und Redakteurin bei nachtkritik, die durch die verschiedenen künstlerischen, gesellschaftlichen und politischen Perspektiven führte.

In einer lebhaften Diskussion ordneten internationale Journalisten Berlins derzeitige Situation ein:

  • Christophe Bourdoiseau, Korrespondent für Libération, L’Express und Le Soir,
  • Jeffrey Arlo Brown, VAN Magazin und freier Journalist u. a. für die New York Times,
  • Masao Fukumoto, Buchautor und freier Journalist für japanische Medien.

Gefragt war der „Blick von außen“ auf die Berliner Kulturpolitik und insbesondere die Situation im Lichte der Budgetkürzungen von 2025 sowie der aktuellen Diskussionen. Berlin wurde als Ort beschrieben, der traditionell von einer energetischen freien Szene geprägt ist – einer Szene, die auch aus Krisen heraus kreative Kraft entwickelt. Gleichzeitig wurde die zunehmende Ökonomisierung thematisiert: schrumpfende Räume, wachsender Effizienzdruck und institutionelle Unsicherheiten, die künstlerische Freiheit bedrohen. Die Beiträge und Diskussionen machten deutlich, dass Kultur nicht bloß als konsumierbares „Angebot“ verstanden werden darf, sondern als unverzichtbarer gesellschaftlicher Raum, in dem Freiheit spürbar wird, Widerspruch möglich ist und demokratische Teilhabe praktiziert wird. Mehrfach wurde betont, dass Kunst gerade in Zeiten ökonomischer und sozialer Unsicherheit Räume schaffen muss, in denen Irritation, Risiko und Vielfalt nicht nur geduldet, sondern geschützt werden.

Deutlich wurde auch, dass Berlin im Vergleich zu Ländern wie den USA und Japan immer noch ein sehr reiches und breit gefördertes Kulturleben hat, aber auch in Gefahr ist, diesen „Schatz“ zu verspielen. Viele Künstler verlassen angesichts schwierigerer Rahmenbedingungen die Stadt oder ziehen erst gar nicht mehr nach Berlin, die Kürzungen seien wie ein „Stich ins Herz“ der Stadt und man wisse im Ausland nicht mehr, wofür Berlin steht. Berlin mangelte es nicht nur in der Kultur an Mut und an Ideen, es fehle eine Perspektive.

Rüdiger Schaper, kulturpolitischer Korrespondent des Tagesspiegel, fasste die wesentlichen Impulse des Abends zusammen. Er hob hervor, dass Kunst nicht nur auf Nachfrage reagieren dürfe, sondern gesellschaftliche Energie freisetzen müsse – und dass ihre Freiheit ein Kernbestand demokratischer Kultur sei. Kultur ist in Berlin immer politisch. „Wir sind dabei, manches zu verspielen. Auch die Freiheit, die wir entgegen New York und Paris haben. Wir brauchen den Mut, uns gegen die Kürzungen zu stellen und die Kultur zu unterstützen. Dafür lohnt es sich zu kämpfen.“

 

Fotos: Paula G. Vidal

Aufzeichnung der Veranstaltung

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