Aufschlag gelungen – die Zukunftsdebatte hat begonnen
Veröffentlicht am: 11. März 2026
Im „Berlin Global Village“ in Neukölln startete mit einem Berlin-Forum das zentrale Projekt in diesem Frühjahr. „Berlin muss sich neu verständigen – Weckruf für ein neues Zukunftsbild“ ist das Papier überschrieben, mit dem eine Gruppe von elf erfahrenen Berlinerinnen und Berlinern im Rahmen unserer Stiftung einen neuen Anstoß gegeben hat. Das Berlin-Forum war die erste öffentliche Debatte dazu, weitere werden folgen, Gespräche mit den Fraktionsspitzen im Berliner Abgeordnetenhaus werden parallel geführt. Das große Ziel dabei: Gerade im beginnenden Wahlkampf muss die Stadt das Ganze im Auge behalten. Wir müssen dringend darüber reden, welches Ziel für Berlin insgesamt, welches gemeinsame Zukunftsbild noch möglich ist.
Berlin verzettelt sich – und steht sich damit selbst im Weg.
Freiheit, Vielfalt und Gemeinschaft sind die zentralen Leitbegriffe dieses „Weckrufs“ an die Adresse von Politik und Stadtgesellschaft. Ausgangspunkt des Papiers, erarbeitet von der Initiative Zukunftsbild der SZB, ist die Beobachtung, dass sich Berlin zunehmend in vielen Einzelthemen verliert. SZB-Vorstandssprecher Markus Dröge sagte zu dem Impuls: „Ich hoffe sehr, dass wir es schaffen, die Stadt aufzurütteln. Berlin verzettelt sich immer wieder zu wichtigen, aber letztlich kleinen Tagesthemen – und steht sich damit selbst im Weg. Das Große, Anspruch und Ausstrahlung unserer Stadt, gerät damit aus dem Blickfeld. Aber Berlin kann mehr und wir wollen dazu beitragen, dass das auch wieder sichtbarer wird. Dazu braucht es jetzt die Konzentration auf zentrale Themen. Insbesondere Kultur und Wissenschaft könnten, wenn sie selbst diese Aufgabe annehmen, stärker ins Zentrum der Stadtgesellschaft rücken. Berlin braucht Ziele, die zusammenführen.“
Das Impulspapier nennt wachsende Armut und fehlende Beteiligung großer Bevölkerungsgruppen, zunehmende Spannungen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur, Religion und sozialer Zugehörigkeit, aber auch unzuverlässige bzw. unzumutbare Verwaltungsabläufe als aktuelle Probleme. Mangel öffentlicher Räume für soziales, kulturelles und sportliches Engagement und Begegnung sowie fehlender bezahlbarer Wohnraum in einer wachsenden Stadt sowie die anhaltende Krise der öffentlichen Finanzen kämen hinzu. Angesichts dieser Problemlage sei es „besonders schmerzlich und unerträglich, dass Berlin kein klares Bild mehr von sich selbst hat und deshalb die gemeinsame Anstrengung für eine gute Zukunft schwerfällt.
Dabei sei das Potenzial der Stadt unverändert groß, heißt es in dem Papier. Aber Stadtgesellschaft und Stadtpolitik fehlten das Einvernehmen über die langfristigen Ziele. Diese Unklarheit lähme Berlin und gefährde angesichts der vielfältigen weltweiten Bedrohungen auch das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit die repräsentative Demokratie. Berlin brauche für die Zukunft klare Prioritäten.
Drei Ansatzpunkte für ein gemeinsames Zukunftsbild
Um diese Diskussion neu zu eröffnen, schlägt die Initiative drei zentrale Ansatzpunkte vor:
- Die Stadt müsse gemeinsam von Bürger:innen sowie den Mitarbeitenden der öffentlichen Hand wieder handlungsfähig (Verwaltungsreform) und attraktiv gemacht werden.
- Berlin müsse seine Ost-West-Erfahrung zu einer spezifischen, woanders so nicht vorfindbaren Kompetenz der Problemlösung zur innergesellschaftlichen Integration nutzen.
- Kultur und Wissenschaft müssten als Motoren der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung herausgestellt und in die Gesellschaft hinein vernetzt werden.
Eine Initiative aus der Stadtgesellschaft
Erarbeitet wurde der Text von der Initiative Zukunftsbild der SZB im Rahmen des Berlin-Forums mit engagierten Persönlichkeiten aus der Berliner Stadtgesellschaft:
- Nils Busch-Petersen (Handelsverband Berlin-Brandenburg)
- Orçun Ilter (ehem. Landesschülersprecher)
- Katja Karger (Vorsitzende DGB-Berlin-Brandenburg)
- Ulrich Khuon (ehem. Intendant Deutsches Theater)
- Ulrike Kostka (Direktorin des Caritasverbandes für das Erzbistum Berlin)
- Kaweh Niroomand (Geschäftsführer BR Volleys)
- Tobias Nöfer (Architekt und ehem. Vorstandsvorsitzender Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg)
- Christoph Markschies (Präsident Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften)
- Hermann Parzinger (ehem. Präsident Stiftung Preußischer Kulturbesitz)
- Peter Schneider (Autor) (†)
- Annemie Vanackere (Geschäftsführerin Hebbel am Ufer).
Die Debatte geht weiter
Das Berlin-Forum markierte den Start einer breiteren Diskussion über die Zukunft der Stadt. In den kommenden Monaten möchte die Stiftung Zukunft Berlin im Rahmen des Berlin-Forums diese Debatte weiterführen und unterschiedliche Perspektiven aus Politik, Kultur, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammenbringen.
Der nächste öffentliche Termin findet am 7. Mai statt:
Gemeinsam mit dem Tagesspiegel lädt die Stiftung Zukunft Berlin zur Diskussionsveranstaltung „Mehr Berlin – Wo stehen wir, was wollen wir, was tun wir?“ in die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften ein. Einladung folgt.
Fotos der Veranstaltung von: © Mari Vass
Mitschnitt der Veranstaltung
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