„Mehr Berlin. Was die Stadt jetzt braucht.“ Ein Diskussionsabend über das Ganze – über die Zukunft Berlins
Veröffentlicht am: 8. Mai 2026
Berlin hat ungeheures Potenzial, schöpft seine Möglichkeiten aber häufig nicht aus. Und es ist unklar, was die Stadt künftig sein will, wo gemeinsamen Prioritäten liegen. Was braucht Berlin? Wo stehen wir, was wollen wir und was tun wir?
Zu diesen Fragen diskutierten am 7. Mai 2026 rund 160 Teilnehmende im Leibniz-Saal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Organisiert wurde die Veranstaltung „Mehr Berlin. Was die Stadt jetzt braucht.“ von der Stiftung Zukunft Berlin in Kooperation mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und dem Tagesspiegel.
Die Diskussion folgte auf den im März 2026 von der Initiative Zukunftsbild der Stiftung Zukunft Berlin veröffentlichen Weckruf zur Zukunft Berlins.
Gesamtstädtische Fragen kommen häufig zu kurz
Prof. Christoph Markschies, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Mitautor des Weckruf-Papiers, eröffnete und Lorenz Maroldt, Herausgeber des Tagesspiegel, führte anschließend durch den Abend. Im Eingangstalk stellte Richard Meng, Vorstand der Stiftung Zukunft Berlin, fest: „Gesamtstädtische Fragen und Themen kommen in Berlin häufig zu kurz.“ Die Frage sei: „Was müssen wir als Stadtgesellschaft tun, damit es mehr ´Gesamtberliner´ gibt, also Menschen, die sich über das Ganze in der Stadt Gedanken machen?“
Berlin ist besser, als es oft gesehen und geredet wird
Der Unternehmer Harald Christ merkte aber auch an: „Berlin ist besser, als es oft gesehen und geredet wird.“ Nichtsdestotrotz sei es wichtig, sich zu fragen, wie wir uns Berlin 2030, 2040, 2050 vorstellen, wie die Stadt dann aussehen soll und welche Menschen hierherkommen werden. Aus seiner Sicht wäre es wünschenswert, wenn sich mehr Menschen mäzenhaft für die Stadt einsetzen würden, was bspw. in Hamburg besser funktioniere. Auch Prof. Dr. Nicola Fuchs-Schündeln, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, war sich sicher: „Wenn wir es schaffen, ein Zukunftsbild zu generieren und umzusetzen, wird die Stadt immer attraktiv bleiben.“ Um international u.a. als Wissenschaftsstandort mithalten zu können, müsse Berlin jedoch ambitionierter werden.
Wir sollten mehr in Verbundenheit denken
In der Gesprächsrunde mit Ulrich Khuon, ehemaliger Intendant des Deutschen Theaters sowie Mitglied der Initiative Zukunftsbild, und Molly Stenzel, Co-Geschäftsführer*in des Berlin Global Village, ging es auch um die Frage des Wirs und darum, ob ein gemeinsames Zukunftsbild in einer vielfältigen Stadt wie Berlin überhaupt möglich ist. Molly Stenzel sprach sich dafür aus, die Komplexität und Heterogenität der Menschen in Berlin als Stärke anzuerkennen, auch wenn dies Zeit, Anstrengungen und Dialog erfordere. Zudem können gemeinsame Orte, Wohnstraßen und kollektive Erlebnisse als verbindende Elemente wahrgenommen werden: „Wir sollten mehr in Verbundenheit denken“. Ulrich Khuon ergänzte, dass vor allem in einer stärkeren Kooperation der Bereiche Kultur, Wissenschaften und Bildung enormes Potenzial für Berlin läge.
In der abschließenden Podiumsrunde stellte Engin Çatık, Schulleiter der Friedrich-Bergius-Schule, den Zusammenhang zur sozialen Situation her: „Armutsbelastete Menschen haben nicht die Kapazität, mitzudiskutieren und sich zu beteiligen. Wenn wir das nicht verstehen, wird Berlin – anstatt einer positiven Zukunft – eine Stadt der Ungleichheit bleiben.“ Alexander Wolf, Geschäftsführer der Stiftung AusserGewöhnlich, stellte heraus: „Die Stadtgesellschaft muss nicht auf Schritte der Politik warten, sondern kann und muss mit eigenem Engagement vorangehen und den Unterschied machen.“ In zahlreichen Beiträgen aus dem Publikum wurde betont, wie wichtig der Erhalt, bzw. die Wiederherstellung von guten Lebensbedingungen – wie bezahlbarer Wohnraum – für ein attraktives Berlin der Zukunft sind.
Um zu wissen, wo wir hinwollen, müssen wir herausfinden, was uns verbindet
Zusammenfassende Schlussworte von Markus Dröge, Vorstandssprecher der Stiftung Zukunft Berlin: „Der Abend hat gezeigt, wie viel Gesprächsbedarf über die Zukunft Berlins besteht – um genau diesen Dialog geht es im Weckruf-Papier. Aus der Diskussion lässt sich für die Zukunft mitnehmen, wie wichtig Gesprächsmöglichkeiten und Gesprächsräume sind, in den sich Menschen einbringen können. Für ein gemeinsames Zukunftsbild ist es wichtig, zunächst einmal zu fragen, was uns verbindet – damit wir anschließend wissen können, wo wir hinwollen.“
Fotos der Veranstaltung von: © Mari Vass
Wir bedanken uns herzlich bei unseren Kooperationspartnern Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Tagesspiegel.
Eine Veranstaltung im Rahmen des Berlin-Forums. Das Berlin-Forum wird gefördert durch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin und die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.












